Archiv für die Kategorie ‘Medienkunst’

Panorama

Freitag, 14. Oktober 2011

Ein weiteres Beispiel meines Panorama-Projekts. Mit brauchbarer Auflösung durch Verwendung einer HD-Videokamera.

Johann Moser, relative Geschwindigkeit, 2011

Mehrere Aspekte finde ich interessant:

  • Der Großteil des Bildes besteht aus wenigen blauen Farbtönen. Durch die horizontalen Streifen wirkt es sehr ruhig.
  • Die sichtbaren Bewegungen laufen von rechts nach links parallel zum Bildrand, die Fahrzeuge spiegeln sich.
  • Das rechte Fahrzeug ist einfärbig hell und von den Proportionen einigermaßen echt. Der Bus wirkt leicht gestaucht und ist in seiner Buntheit und Größe ein Blickfang im Bild. Die weiteren linken Fahrzeuge sind deutlich verzerrter und erhalten einen surrealen Charakter insbesondere durch den Kontrast mit der roten Person links, die in realistischer Proportion erscheint und aus dem Blickfeld schreitet.
  • Der Regenschirm legitimiert die Spiegelungen der anderen Objekte im Bild.

Das Bild ist weder Fotografie, noch Video oder Malerei. Es ist aus einem Video durch spezielle Programmierung entstanden. Format etwa 1:10, ca 15X150cm.

Videografie

Sonntag, 27. Februar 2011

Drei Ergebnisse meiner aktuellen Videoprocessing-Experimente. Ich programmiere aus Videos Panorama-ähnliche-Bilder, die je nach Aufnahmesituation brauchbare Ergebnisse liefern. Aufgrund der geringen Auflösung von Videos sind die Arbeiten dieser Serie auf eine Höhe von etwa 8cm beschränkt.

Auwald

Auwald

Sahara

Sahara

Straße

Straße

blue reef

Donnerstag, 05. August 2010

Johann Moser & Gertraude Stüger

Blue reef: Eine spielerische Vision des Unterwasser-Erlebens. Hipp-Halle Gmunden im Rahmen der Gmundener Festwochen.
Samstag 7.8.2010, 11:00 – 14:00 Uhr Vernissage
Sonntag 8.8.2010, 16:00 – 18:00 Uhr.

Gertraude Stüger: Keramik, Leinwand
Johann Moser: Echtzeit-generierte Visuals und Klangstrukturen

Aus dem gesammelten Grafik-, Video-, Bild- und Klangmaterial werden zu Keramikstrukturen und Leinwand neue Klang-Bilder in Echtzeit generiert und projiziert. Ich kombiniere Bildmaterial, das im Moment der Wahrnehmung die Illusion der Unterwasserwelt entstehen läßt. Die Klangschichten bilden einen Kontrapunkt zur generierten visuellen Welt.

Demovideo

TypoGrafische Strukturen

Samstag, 26. Dezember 2009

Grafische Strukturen werden mit Hilfe von Algorithmen so erzeugt, dass im Wahrnehmungs-Prozess Gestaltbildung geschieht: durch korrespondierende Bereiche, Aussparungen (die unser Gehirn zum Ergänzen anregen), Verbindungen zwischen den Farben und unregelmäßig skizzierte Begrenzungslinien. Die vorwiegend annähernd orthogonalen Strukturen treten zu Kreisbögen und singulären Linien in Beziehung. Dazu gibt es optional typografische Strukturen aus verschiedenen Texten. Realtime Processing, realisiert mit MaxMspJitter.

Ausstellung im Cafe Suchan, 2008

Die Ästhetik algorithmischer Modelle

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Zur Einordnung meiner künstlerischen und experimentellen Arbeit mit MaxMSP/Jitter habe ich interessante Analysen des Einflusses der Computation auf die Kunst gefunden.

Medienkomposition als Modellbildung

Während in der klassischen Fotografie das Motiv, eine Serie von Bildern oder das Erzeugen abstrakter Bilder im Zentrum der Arbeit steht, verwende ich in meiner Medienkomposition Fotografie und Video (auch Klang) als Material, wobei für die richtige Eignung des Materials eher Kontrast, Tempo, grafische Struktur eine Rolle spielen als das eigentliche fotografische Motiv. Auch mein Videomaterial erzählt keine Geschichten, sondern bringt vorwiegend Bewegung und Veränderung von Kontrasten ins Spiel.

Foto- bzw. Videomaterial wird verschiedenen computergesteuerten Prozessen zugeführt. Die mit Hilfe einer grafischen Oberfläche geschaffenen Programme können als Modelle mit Einflussfaktoren im Sinne der systemdynamischen Modellbildung interpretiert werden.

Ausgehend von einfachen Modellen entwickle ich meine Modelle durch Differenzierung von Parametern und Setzen von komplexen Zusammenhängen: Rückkoppelungen zwischen Parametern, Zufallsprozesse, interaktive und automatische Steuerungen veranlassen meine Modelle zur Gestalt-Bildung – durch die (Echtzeit-)Verarbeitung digitaler Daten (Foto, Video, Grafik, Text, Sprache und/oder Klang) erzeugen diese theoretischen Modelle neue Informationen, die eigenständige ästhetische Qualität haben. Die Modelle visualisieren bzw. verklanglichen – also versinnlichen – die Strukturen des verwendeten Materials und der programmierten Algorithmen.

Die Modelle kann ich als Computerprogramme interessierten Rezipienten zur eigenen Arbeit mit eigenen Materialien zur Verfügung stellen, um so an meinem kreativen Prozess teilzuhaben bzw. diesen Prozess weiterzuführen. Ziel ist nicht ein statisches künstlerisches Produkt, sondern der Gestaltungsprozess durch Beeinflussung von Parametern auf abstrakter Ebene. Ziel ist die Versinnlichung von Algorithmen bzw. die ästhetische Interpretation von Algorithmen.

Die Möglichkeit zum Abspeichern von punktuellen visuellen Ereignissen (Bild), von Videoclips (oder Klangaufnahmen) schafft die Verbindung zur gewohnten Bildkunst. Durch Automatisierung des Speicherns von zeitlich begrenzten Abschnitten läßt sich individualisierte Massenproduktion als Ausschnitt offener und dynamischer Prozesse erzeugen.

Aspekte der Medientheorie von Vilém Flusser, die meine Arbeit berühren

Vilém Flusser schreibt in mehreren medienphilosophischen Aufsätzen über die Auswirkungen der Computation auf Denken, Medien und Kunst.

In Hinweg vom Papier (1987) definiert er Kreativität als Erzeugen vorher nicht dagewesener Information durch Umstrukturierung vorhandener Information.

Es wird zumindest denkbar, dass wir in Zukunft nicht mehr empirisch, sondern auf Grund einer Theorie werden schaffen können. Dass nicht mehr handwerklich, sondern technisch kreiert wird. In diesem Fall wäre mit einer Explosion der menschlichen Kreativität zu rechnen. (Vilém Flusser, Hinweg vom Papier, in: Medienkultur, S. Fischer Vlg, S 62)

In Alphanumerische Gesellschaft (1989) setzt Vilém Flusser in Abgrenzung zum magisch-mythischen und dem historischen Bewusstsein das kalkulatorisch statistische Denken/Bewusstsein. Anstelle des Rechnens tritt das Programmieren, das Manipulieren von Strukturen, das Analysieren und Synthetisieren, das Entwickeln von Modellen:

Der Computer rechnet nicht nur, er synthetisiert die Bits auch zu Gestalten, zum Beispiel zu Linien, zu Flächen, aber auch zu Tönen. Diese Gestalten können miteinander kombiniert werden, … ganze alternative Welten sind aus Zahlen komputierbar geworden. Diese erlebbaren (ästhetischen) Welten verdanken ihre Erzeugung dem formalen, mathematischen Denken. Das hat zur Folge, dass nicht nur wissenschaftliche Theoretiker und deren Theorien anwendende Techniker, sondern alle Intellektuellen überhaupt (und vor allem Künstler) die Codes der neuen Bewußtseinsebene zu erlernen haben, wenn sie am künftigen Kulturbetrieb teilnehmen wollen. Wer die neuen Codes nicht lesen kann, ist Analphabet in einem mindestens so radikalen Sinn, wie es die der Schrift Unkundigen in der Vergangenheit waren. (Vilém Flusser, Alphanumerische Gesellschaft, in: Medienkultur, S. Fischer Vlg, S 52)